Chronik 1900-1999

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Unter Verwendung der Ergebnisse eines Redaktionskollegiums der „Ammendorfer Heimatfreunde“ unter der Leitung von Jürgen Lange ( 2003 )

 

1900 bis 1999

  • 1900: Nach einem schweren Unglück wird für die Kreuzung der Eisenbahn mit der Regensburger Straße in Ammendorf ein Eisenbahntunnel gebaut. An der Stelle war ein Pferdefuhrwerk mit einem Zug zusammengestoßen.
  • 1901: Weihe der Kirche “ St. Marien“ in der Siebenhufenstr ( heute Alfred – Reinhard – Str.). Vikar August May betreut die katholische Gemeinde, zu der die Ortsteile Radewell, Osendorf, Burg, Ammendorf, Beesen, Planena, Döllnitz, Lochau, Burgliebenau und Schkeuditz gehören.
  • 1903: Die Radeweller Kirche wird renoviert. Dabei wird der aus der Gründerzeit stammende
    Taufstein entfernt.
  • 1905: Der Tagebau „Hermine-Henriette“ (heute Osendorfer See) wird erneut durch das Hochwasser des Reidebaches überflutet. Nach dem das Wasser abgepumpt und die Aufräumungsarbeiten abgeschlossen waren, wurde ein 96 m langer, 1,25 m breiter und 4 m hoher Hochwasserschutzdamm errichtet. In der Grube „von der Heydt“ wird mit dem Abbau der Kohle im Tagebauverfahren begonnen.
  • 1906: Bei der Tieferlegung der Toilettengrube auf dem Grundstück des Frisörs Leibner in der Regensburger Straße in Osendorf wurde ein Fränkisches Skelettgrab (Ende des 5. Jahrhunderts) gefunden. Als Grabbeigabe wurde ein Schmuckstück aus Weißmetall geborgen. Die Übertageanlagen der Grube „von der Heydt“ werden modernisiert. Es wird ein neues Kesselhaus und eine elektrische Kraftzentrale errichtet und der Grubenbahnhof vergrößert.
  • 1907: Ergebnisse der Reichstagswahl. Das Wahlergebnis in der Reihenfolge Bürgerliche; Sozialdemokraten :
    Ammendorf: 263,;375;
    Beesen: 109,;181;
    Planena: 10,; 11;
    Radewell und Burg: 109,; 323;
    Osendorf: 34,; 206;
    Summe: 525,;1096; Prozent:32,; 68
  • 1908: Die Radeweller Kirche bekommt eine große und eine kleine neue Glocke, wahrscheinlich hatten die Glocken von 1506 und 1526 Risse bekommen.
  • 1909: Im Sommer vernichtet ein Feuer die Mineralölfabrik in Osendorf. Der Brand entstand vermutlich durch Selbstentzündung. Die Fabrik wurde wieder aufgebaut.
  • 1912: Ergebnisse der Reichstagswahl. Das Wahlergebnis in der Reihenfolge Konservative, Freisinnige, Sozialdemokraten :
    Ammendorf: 44,; 245,; 571;
    Beesen: 46,; 49,; 269
    Planena: 7,; 2,; 11;
    Radewell-Burg: 32,; 69,;468;
    Osendorf: 9,; 25,; 319
    Summe:138,; 390,;1638; Prozent: 6,; 18,; 76
  • 1915: Am 09.10. starb Josef Weinlich ( mit Zigeunernamen Nauni). Er wird in der auf seine Veranlassung errichteten Kapelle auf dem Osendorfer Friedhof in der Talstr. ( heute Karl-Meißner-Str.) beigesetzt. An seiner Beisetzung nahmen viele Zigeuner teil. Nauni war ein in ganz Deutschland unter den Sinti bekannter und verehrter Rechtsprecher. Es war eine ergreifende Beisetzung nach traditionellen Sinti-Riten. So wurde unter anderem Wein, Brot, Getreide, Silber und Gold in den Sarg gegeben . Im Volksmund wurde von nun an
    vom “ Zigeunerkönig“ gesprochen, der hier beerdigt ist.
  • In Osendorf arbeiten jetzt 4 Ziegeleien, eine Braunkohlengrube und eine Teerschwelerei, sowie die Parafin- und Solarölfabrik des Adolf – Riebeck – Konzerns.
  • 1917: Die Glocken der Radeweller Kirche (1908 gegossen) müssen als Rohstoff an die Heeresverwaltung abgegeben werden. Auch die Prospektpfeifen der Orgel der Radeweller Kirche müssen der Heeresverwaltung übergeben werden.
  • 1918: Die katholische Gemeinde wird am 01. 01. Pfarrvikarie. Ihr gehören an: Ammendorf, Beesen, Planena, Radewell, Osendorf, Burg, Döllnitz, Lochau, Wesenitz und Pritschöna.
    Im Dreierhaus Osendorf findet die 1. Unterbezirkskonferenz Halle/Saalkreis der KPD in Anwesenheit von Walter Ulbricht statt.
    Zu Pfingsten findet der internationale Jugendtag der „Freien Sozialistischen Jugend“ in Osendorf statt.
    Ergebnisse der Reichstagswahl in Ammendorf: Deutschnationale: 495 Stimmen;
    Deutsche Volkspartei: 389; Zentrumspartei: 46;
    Dtsch. Demokratische Partei: 369 SPD: 438;
    U.S. P.D: 3941;
    KPD :144
    In Ammendorf wohnen nun 11 804 Menschen. In Ammendorf arbeiten 13 Bäckermeister, 12 Fleischermeister, 5 Schmiedemeister, 3 Stellmachermeister, 4 Schuhmacher. Es gibt 6 Gärtnereien, 1 Molkerei, mehrere Kolonialwarengeschäfte, 11 Lebensmittelgeschäfte und 30 Gaststätten.
  • 1923: Rassegeflügelzüchter aus Osendorf, Radewell, Burg, Ammendorf und Beesen gründen einen Zuchtverein. Die Namen der aktiven Betreiber dieser Vereinsbildung sind nicht bekannt.
    1924: Ergebnisse der Reichstagswahl am 07. 12. : In Ammendorf entscheiden sich die Wähler wie folgt:
    Deutschnationale Partei 1071 Stimmen;
    Deutsche Volkspartei 602;
    NSDAP 99;
    Zentrum 87; Deutsche Demokr. Partei 366;
    SPD 1000;
    U.S.P.D. 55;
    KPD 2709;
    Splitterparteien190
  • 1926: Der Radeweller Sinti Johann Watosch wurde im Streit von einem Sinti namens Anton Lehmann aus Zeitz erschossen. Er liegt auf dem Neustädter Friedhof in Magdeburg begraben. Sein Grab ist noch vorhanden (1998).
    Im „Dreierhaus“ in Osendorf wird der Arbeiter Radfahrverein „Solidarität“ gegründet. Auch der „Raucher-Club Osendorf“ hat hier seine Heimstatt.
  • 1928: Die Ammendorfer Arbeiter haben sich eine starke und schuldenfreie KONSUM-Genossenschaft aufgebaut. Zu ihr gehören: Der Neubau neben dem Rathaus als Verwaltungsgebäude, im Hof die eigene Bäckerei und 7 Filialen (Verkaufsstellen): im Verwaltungsgebäude, in Beesen (Wörmlitzer Str.), auf der Silberhöhe, in Ammendorf (Friedenstr.), in Osendorf in der Talstraße, im alten Bauernwinkel sowie m Dorf Korbeta. Geschäftsführer war bis 1933 R. Hirsemann. Kassierer K. Rothe.
    In den Jahren 1927 /1928 werden die Tagebaue „von der Heydt“ und „Hermine Henriette“zu einem Großtagebau vereinigt. Mit den dabei anfallenden Abraummassen wird eine Hochhalde aufgeschüttet, die heute noch „die Halde “ genannt wird..
  • 1929: In der Radeweller Kirche werden beim Einbau der Heizung drei Gräber freigelegt. Da der Pfeiler der Kirche ungefähr 1130 erbaut wurde, muß die bis jetzt ungestörte Lage der Skelette auf ein späteres Alter schließen lassen.
    Die MÜBAG richtet in Ammendorf mit Bussen den Ortsverkehr ein. Zwei Linien werden betrieben. Die Busse fahren vom Rathaus Ammendorf nach Beesen (Deutsches Haus) und nach Osendorf (Dreierhaus) jeweils im 40-Minuten-Takt. Zeitweilig wurde diese Linie bis nach Bruckdorf verlängert. Die Busse sind im Depot Ammendorf untergebracht. Zum Einsatz kamen in den ersten Jahren Mercedes-Benz-Busse, die 34 Sitzplätze boten. Die Aufbauten waren zum Teil in der Gottfried Lindner AG gefertigt worden.
  • 1932: Ergebnisse der Reichspräsidentenwahl am 13. 03.: Dis Wahlergebnisse für die Kandidaten waren in Ammendorf :
    Duesterberg 615 Stimmen,
    v.Hindenburg 2421
    Hitler 1389
    Thälmann 3557
    Winter 33
    Ergebnisse der Stichwahl zum Reichspräsidentenwahl am 10. 04. : Die Wahlergebnisse für die Kandidaten waren in Ammendorf:
    v.Hindenburg 2594
    Hitler 1897
    Thälmann 3033
    Ergebnisse der Reichstagswahl am 06. 11. :
    NSDAP 1 396
    Stimmen;
    SPD 1 364;
    KPD 3 729;
    Zentrum 124;
    Deutschnationale 649;
    Radikal. Mittelstand 19 ;
    Deutsche Volkspartei 77;
    Christl. Sozial. Volksdienst 11 ;
  • 1937: Eine Volkszählung brachte für Ammendorf und Gemeinden 15 300 Einwohner.
    Die Arbeiter der Brikettfabriken Ammendorf, Osendorf und Bruckdorf fahren eine Sonderschicht und produzieren 674 t Braunkohlenbrikett für die notleidende Bevölkerung von Ammendorf.
  • 1946: Ergebnisse der Gemeindewahl in Ammendorf am 08. 09.
    SED 48%
    CDU 21%
    LPD 21%
    Ergebnisse der Kreistagswahl.am 20. 10.:
    SED: 5920 Stimmen
    LDP: 2709
    CDU: 2228
    VdgB: 64 (Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe)
  • 1950: Die Stadt Ammendorf wird am 01. 07. nach Halle eingemeindet. 21 000 Ammendorfer werden Hallenser. Bürgermeister war Kurt Martin.Im Rathaus arbeitet jetzt der Rat des Stadtbezirkes 6.
    Das Braunkohlenwerk Ammendorf errichtet in der Regensburger-Str. für 211 000,- M die Zentralküche Osendorf, die der Versorgung der Arbeiter der Braunkohlenbetriebe dient.
    8 Döllnitzer Kanusportler unter der Führung von Karl Kunitzsch ziehen mit einem Handwagen, einem alten Paddelboot und einigen Utensilien nach Osendorf zu dem Tagebaurestloch der Grube Hermine-Henriette und üben von diesem Tage an dort ihren geliebten Sport aus. Das war die Geburtsstunde der Sektion Kanurennsport in der BSG Aktivist Halle-Ammendorf.
  • 1954: Adolf Müller wird im K I über 1 000m DDR-Meister. Im K II wird „Atze“ mit Karl Kunitzsch aus Döllnitz über 1 000m DDR-Vizemeister. In der 4 mal 500m Staffel K I werden die Ammendorfer Sportsfreude Werner, Winterstein, Müller und Kunitzsch (Döllnitz) DDR-Meister.
  • 1955: Die Sektion Kanu der BSG Aktivist Ammendorf nimmt auf dem Osendorfer See den Sportbetrieb auf. Trainer ist der Döllnitzer Karl Kunitzsch.
  • 1957: Zwischen Beesen, Ammendorf, Radewell, Osendorf und Döllnitz wird der Autobusverkehr ( H – Linie) wieder aufgenommen.
  • 1975: Die erfolgreiche Sektion Kanurennsport der BSG Aktivist Halle-Ammendorf wird vom VEB Straßen-Brücken-Ttefbaukombinat Halle übernommen. Die Sportler sind nun Mitglieder der BSG Aufbau Halle-Süd. Dieses Kombinat unter Führung des Generaldirektors Prof. Dr. Walter Gebhardt unterstützt die Sportler vorbildlich. Der Aufbau des Trainingszentrums wird erfolgreich weiter geführt, so dass eine hervorragende Anlage entsteht, die keinen Vergleich scheuen muss.
  • Der VEB Bezirksbaumechanik nimmt am Standord Osendorf die neu erbaute Betriebsberufschule in Betrieb.

    In den 70iger- 80iger Jahren gab es in Osendorf:
    2 Lebensmittelgeschäfte des Konsum – Einzelhandel ( Regensburger und Talstraße). Nach dem Standord wurden sie Konsum und Talkonsum genannt. Diesen Talkonsum gab es schon in den 20iger Jahren.
    2 Fleischereien, Terpe in der Fritz-Kiesling-Straße und seit Februar 1958 Dienemann in der
    Richard – Loesche-Str. Vor Feiertagen gab es hier bis zu 2 Stunden Warteschlangen.
    1 Geschäft „Waren täglicher Bedarf“ Herbert Böhme in der Richard-Loesche-Straße. Dieses Geschäft war eine Fundgrube und Treffpunkt vieler Osendorfer sowie Kommunikationstreff.
    1 Bäckerei Thiele mit Verkauf von Bachwaren und Lebensmitteln. Die weihnachtlichen Stollen der Osendorfer wurde hier gebacken.
    Die Fleischerei Dienemann beendete ihre Arbeit im Mai 1986 aus gesundheitlichen Grüden. Das Geschäft wurde vom Fleischer Rehmann übernommen. Das Lebensmittelgeschäft Herbert Böhme schloß im Sommer 1989, die Fleischerei Terpe im September 1992.

  • 1990: Die Sektion Kanurennsport der BSG Aufbau Halle-Süd verliert ihren Trägerbetrieb, den VEB Straßen-Brücken-und Tiefbaukombinat Halle. Mit einem Anlagewert von 20 Mio.DM und einem Gelände von 204 ha wird das Trainingszentrum Eigentum der Stadt Halle, es wird vom Sport- und Bäderamt verwaltet. Trainer bleibt Karl Kunitzsch. Die Sportler starten nun unter dem Namen Hallescher Kanuklub 54 e.V. Die Treuhand verkauft das Trainingszentrum der Kanuten am Osendorfer See für ein „Taschengeld“ von 300 000 DM an den Millionär
    G. Papenburg.
    Die Gebäude und Einrichtungen der ehemaligen Lehrwerkstatt des VEB Baumechanisierung Halle in Osendorf werden von der Handwerkskammer Halle als Ausbildungszentrum übernommen. Aus diesem Anlass wird vom Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl in Anwesenheit des Ministerpräsidenten der DDR, Lothar de Maiziere ein Gedenkstein, der vor der Berufsschule steht, eingeweiht.
  • 1992: In Osendorf wird das Dreierhaus abgerissen. Es sollte Platz geschaffen werden für den Aufbau eines Autohauses. Damit ist ein weiteres Stück Osendorfer und Ammendorfer Geschichte verschwunden.
    Die Uhr der Radeweller Kirche St. Wenzel wurde repariert und funktioniert wieder. Von Mitarbeitern des Osendorfer Bildungszentrums der Handwerkskammer wurden die Zahlen und Zeiger neu vergoldet.
  • 1997: Für Osendorf und Radewell wird in der Regensburger Straße eine Filiale von ALDI gebaut. Dabei wird die Hanglage zur Elsteraue archetektonisch interessant genutzt.
    Am 24. Februar 1898, also vor 100 Jahren, wurde in Osendorf Georg Bilkenroth geboren. Als Technischer Direktor des Konstruktionsbüros Kohle der DDR war er wesentlich an der Entwicklung der Braunkohlenindustrie der DDR beteiligt. Zusammen mit Erich Rammler entwickelte er nach 1949 an der Bergakademie Freiberg die Technologie der Braunkohlenhochtemperaturvergasung zur Herstellung von Braunkohlenhochtemperaturkoks, eine wissenschaftliche Leistung, für die Georg Bilkenroth im Jahr 1951 mit dem Nationalpreis der DDR gewürdigt wurde. Gemeinsam mit Erich Rammler reichten sie im Juli 1952 die Patentschrift Nr. 4630 ein.
  • 1999: Die XI. Weltmeisterschaft im Schiffsmodellbau wurde auf dem Gelände des Osendorfer Kanuzentrums durchgeführt. 180 Modellbauer und -sportler aus zwölf Ländern nahmen an dieser WM teil. 11 Sportler des SMC Halle-Beesen hatten sich für diese WM qualifiziert. Sebastian Ullrich wurde mit seinem Modell des Rostocker Rettungskreuzers „Stoltera“ zum zweiten Male Weltmeister.
    Die „MZ“ schreibt am 2. 09.: „Modellsport WM : Zum Schluss gibt es Lob von allen Seiten. Titelkämpfe am Osendorfer See nach fünf Tagen beendet.“
    Am 12. 9. 1999 kommt es zu einem Großfeuer in Radewell. Kurz nach 16.00 Uhr brannte das Einkaufszentrum von ALDI in der Regensburger Straße. Trotz eines Großeinsatzes von zwei Löschzügen der halleschen Berufs- und Angehörigen von insgesamt sieben freiwilligen Feuerwehren konnten die Flammen erst nach zwei Stunden endgültig unter Kontrolle gebracht werden. Die Kriminalpolizei ermittelte in alle Richtungen, jedoch schließlich verdichtete sich die Wahrscheinlichkeit einer fahrlässigen Brandstiftung durch rauchende Jugendliche in der Lieferantenschleuse. Der Einkaufsmarkt brannte völlig aus und war mehrere Monate für den Einkauf gesperrt.
    Am 24.11.1999 beschloss der hallesche Stadtrat, den vorhandenen Weg zwischen Fritz-Kießling-Straße und der Knappenstraße Hauerweg zu nennen ( siehe Straßenübersicht).